DEU-SCHLESIEN-L Archives

Archiver > DEU-SCHLESIEN > 2002-11 > 1037059544


From: (Reinhard Koperlik)
Subject: [DSL] Beschaffung einer Geburtsurkunde
Date: Tue, 12 Nov 2002 01:05:44 +0100


Hallo liebe Listenmitglieder,

dies fand ich beim Stoebern im Internet:


© Das Ostpreussenblatt / Preussische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft
Ostpreussen e.V. / 22. Juni 2002


Kopieren - nur auf polnisch
Nach wie vor sind Vertriebene kleinkarierten Schikanen ausgesetzt

In den Grussworten zum Deutschlandtreffen (siehe S. 25/28) wird die
Landsmannschaft Ostpreussen zu Recht fuer ihre zukunftsorientierte
Kooperationsbereitschaft gegenueber den heutigen Machthabern in den
Vertreibungsgebieten gelobt. Diese Haltung findet auch zunehmend positive
Resonanz, sowohl bei den in der ostpreussischen oder schlesischen Heimat
lebenden Menschen als auch bei bei Behoerden bis hin in hoechste politische
Kreise. Leider gibt es aber nach wie vor auch die "Kehrseite der Medaille",
naemlich behoerdliche Schikanen gegenueber deutschen Vertriebenen. Lesen sie
dazu den nachfolgenden Bericht unseres Lesers Gerhard Kuznik aus Rott:

Am Dienstag, dem 7. Mai 2002, begab ich mich gegen 11.10 Uhr in das
Standesamt (Urzad Stanu Cywilnego) meiner Geburtsstadt Krappitz in
Oberschlesien (heute auf polnisch Krapkowice), um mir eine Kopie meiner
deutschen Geburtsurkunde von 1938 zu beschaffen. Das Standesamt befindet
sich im Gebaeude II der Stadtverwaltung im Ortsteil Ottmuth (heute Otmet).
Da ich fliessend polnisch spreche und die Sachbearbeiterin auch deutsch
versteht, konnte ich mich einwandfrei verstaendigen.

Nach der Begruessung verlangte die Sachbearbeiterin meinen Reisepass,
schaute ihn an und holte unverzueglich aus dem Nachbarraum das entsprechende
Geburtsregister des Jahres 1938, schlug es auf und hatte sofort die Seite
mit der Eintragung ueber meine Geburt offen vor sich und mir liegen. Aus den
in deutscher Schrift eingetragenen Angaben konnte ich ersehen, dass ich um
13.10 Uhr geboren wurde. Auf meine wiederholte Bitte um Aushaendigung einer
Kopie meiner Urkunde wurde mir ein Antragsformular in polnischer Sprache
vorgelegt und gesagt, nach dem Ausfuellen des Antrages koenne ich einen
gekuerzten polnischen Auszug aus der deutschen Geburtsurkunde bekommen, der
20 Zloty koste, oder einen vollstaendigen Auszug in polnisch, der 30 Zloty
kosten wuerde. Ich wiederholte meine Bitte, mir eine Kopie vom Original in
deutscher Sprache auszuhaendigen. Die Sachbearbeiterin erwiderte, sie koenne
mir nur einen Auszug in polnisch, aber keine Kopie in deutsch aushaendigen.
Da ich auf der Aushaendigung einer deutschen Kopie bestand, liess die
Sachbearbeiterin das Geburtsregister aufgeschlagen auf ihrem Schreibtisch
liegen und begab sich zu ihrer Dienstvorgesetzten. Diese kam nach rund 15
Minuten ins Zimmer zu mir, wir begruessten uns, und nun las sie mir aus
einer Verordnung des polnischen Innenministeriums aus dem Jahre 1994
woertlich vor. Darin wird ausgefuehrt, dass die Leiter der Standesaemter
Kopien aus den aufbewahrten Personenstandsbuechern unter der Bedingung
aushaendigen koennen, dass sich in den Raeumlichkeiten des Standesamtes ein
Kopiergeraet befinde und nach Auffassung des Leiters des Standesamtes der
Zustand des Personenstandsbuches ein Kopieren erlaube.

Die Leiterin fuehrte wiederholt aus, dass sich in den Raeumlichkeiten des
Standesamtes kein Kopiergeraet befinde, sie das Personenstandsbuch in keinen
anderen Raum verbringen duerfe und ich deshalb keine Kopie bekommen koenne.
Darauf erwiderte ich: "Sie werden doch im Standesamt ein Kopiergeraet
besitzen, Sie sind doch nicht so arm und bekommen sogar aus Deutschland viel
Geld." Ich sagte ihr weiter, sie solle es bitte nicht persoenlich auffassen,
aber es sei doch wohl so, dass in den Raeumlichkeiten des Standesamtes sich
deshalb kein Kopiergeraet befinde, um keine deutschen Kopien anfertigen zu
koennen. Das sei aber eine reine Schikane und fuer Polen, das in die EU
will, eine Schande. Ich haette in Deutschland davon gehoert und gelesen und
wolle mich persoenlich davon ueberzeugen, ob diese Berichte zutreffen: "Sie,
die Leiterin des Standesamtes in Krappitz, sind der lebende Beweis fuer
diese Aussagen." Eine zufaellig im Raum anwesende aeltere Polin mischte sich
unaufgefordert in das Gespraech ein und sagte: "Schlesien, das ist 700 Jahre
altes polnisches Land", worauf ich erwiderte: "So sehen Sie die Geschichte,
und ich werde daran gehindert, Beweise fuer die Wahrheit zu bekommen." Ich
bat die Leiterin, die auch deutsch verstand, bei ihren Dienstbesprechungen
mein Anliegen vorzubringen und in meinem Sinne zu einer Loesung zu kommen.
Ich sagte weiter, ich werde den Vorfall nicht geheim halten, sondern publik
machen. Ich wollte auch wissen, wie viele andere schon in gleicher
Angelegenheit bei ihr vorgesprochen haben, worauf sie antwortete: "In meinen
13 Dienstjahren sind Sie der Zweite." Zum Schluss fragte ich sie, ob sie mir
eine Kopie der Verordnung des polnischen Innenministeriums aushaendigen
koennte. Sofort begab sie sich aus dem Flur in einen anderen Raum und
brachte mir in kuerzester Zeit eine Kopie dieser Verordnung!

----------------------------------------------------------------------------
----


Hier der Link:
http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv02/2502ob06.htm





Viele Gruesse

Reinhard Koperlik

****************************************************************
www.koperlik.de
Meine Familienforschung. Suche KOPERLIK, ueberall.
www.schlesien-ahnenforschung.de
Fuer alle, die sich fuer Schlesien und Ahnenforschung in Schlesien
interessieren.
****************************************************************








This thread: