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From: ">Gerd Mullenheim<" <>
Subject: AW: [DSL] SCHWABE in Guhlau (krs. Fraustadt)
Date: Mon, 6 May 2002 23:39:12 +0200
In-Reply-To: <000101c1f529$ec69b760$a24dfe91@laptop>


Werte Forscherfreunde,

wer kann hier bei SCHWABE eine Fortsetzung finden?


S c h w a b e

15 Maria Louise, ev., * Arnswalde 15.04.1824, ~ ebd. 22.04.1824, oo Wohlau
29.05.1848 Louis HEER

30 Friedrich Eduard Gustav, Dr. med. und Sanitätsrat, ev., * Guhlau
19.02.1797, ~ Driebitz 22.02.1797, + Mohlau 25.07.1862, = ebd. 29.07.1862,
oo Arnswalde 11.08.1822 Ernestine QUINIUS

60 Siegmund Traugott, ev., Grenzzolleinnehmer in Guhlau, oo Eleonore
Elisabeth MARTINI


Mit freundlichen Grüßen Jörg Tauscher
--
oder
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Lieber Jörg,

die evangelische Kirche von Guhlau war in Driebitz, Kr. Fraustadt,
das damals zur Provinz Posen gehörte. Leider sind von dort meines
Wissens keine Kirchenbücher erhalten. Vielleicht hilft Dir jedoch
dieser Hinweis:

Familiäre Verbindungen über die schlesisch-posensche grüne
Grenze (speziell in diesem Gebiet) hinweg wird es schon immer gegeben
haben. Die größte Bevölkerungsbewegung gab es aber im 30-jährigen
Krieg. 1628 verließen 80% der Einwohner von Guhrau die Stadt, um den
kaiserlichen Truppen zu entgehen, die die Katholisierung der Stadt
durchsetzen wollten. Allein 3000 Einwohner gingen nach Lissa, vor
allem die Tuchmacher, die den wirtschaftlichen Erfolg mitnahmen,
Guhrau bis heute in die historische Unwichtigkeit entließen und in
Lissa (und später in Lodz) diesen Wirtschaftszweig zum Erblühen
brachten. Weitere etwa 1000 Einwohnen fanden Unterschlupf in den
polnischen grenznahen Städten wie Fraustadt, Bojanowo, Reisen, Zduny,
Jutroschin, Zaborowo, Schlichtingsheim, Meseritz u.a. In den
erhaltenen evangelischen Kirchenbücher dieser Städte findet man
Schlesier aus dem Gebiet um Guhrau und Herrnstadt zuhauf. Von
Rawitsch und Bojanowo weiß ich das eigenen Forschungen. Noch in der
Zeit 1821 bis 1831 sind sehr viele Einwohner von der schlesischen
Seite in die Stadt Bojanowo gegangen und ließen dort kirchliche
Amtshandlungen vornehmen. Die evang. Kirchenbücher dieses Zeitraumes
habe ich gerade gelesen und fand viele schlesische Ortsnamen wie z.B.
Königsbruch, Zechen, Nieder-Schüttlau. Die guten Beziehungen gab es
auch noch zu Beginn des 1.Weltkrieges. So wird im Guhrauer Anzeiger
ausführlich über die Anfang 1915 abgebrannte evang. Kirche in
Rawitsch und deren Wiederaufbau berichtet.

Es ist zwar sehr viel Arbeit, aber es lohnt sich, die verfilmten
evang. Kirchenbücher der Grenzstädte und -gemeinden zu Schlesien zu
durchsuchen. Manchmal sind die Namen auch in einem Index
zusammengefaßt (z.B. Bojanowo). Auch weil die meisten schlesischen
evang. Kirchenbücher zumindest verschollen, die polnischen aber
beinahe lückenlos erhalten und auch verfilmt sind. Die Erhaltung
bezieht sich auch auf die 1919 an Polen abgegebene Gemeinde
Triebusch, deren evang. Bücher ab 1657 verfilmt sind. Möglicherweise
ist das in den anderen 1919 abgetretenen Gemeinden auch so (ehem. Kr.
Gr. Wartenberg).

Ganz herzliche Grüße aus Luxemburg

Gerd Müllenheim
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